... und noch eine Studie zur Lehrerarbeitszeit

Die Ergebnisse der GEW-Arbeitszeitstudie für Niedersachsen sind bedenkenswert. Grundsätzlich ist es erfreulich, dass überhaupt eine weitere Arbeitszeitstudie durchgeführt wurde, auch wenn die  Durchführung nicht notwendig gewesen wäre. Denn die Ergebnisse der von der Unternehmensberatung Mummert & Partner (1999) durchgeführten Studie sind vom MSW – dem Auftraggeber – nie wirklich analysiert worden, geschweige denn, dass die notwendigen Konsequenzen gezogen worden wären. Die Arbeitsbelastung ist seit 1999 nicht geringer geworden, sondern gestiegen, denn all die zusätzlichen Arbeitsbereiche und Probleme, denen sich Gymnasiallehrerinnen und -lehrer heutzutage gegenübersehen, z. B. der deutlich heterogener werdenden Schülerschaft, waren 1999 noch unbekannt.

Wie soll man nun mit den Ergebnissen der GEW-Studie umgehen? Die Zahlen der annähernd repräsentativen Stichprobe für Gymnasien (886 Befragte) zeugen – wie bei Mummert  & Partner – von einer großen Bandbreite von arbeitszeitlichen Belastungen. Wenn von einem Durchschnittswert gesprochen wird, gibt es immer auch eine Spitzenbelastung. Gerne wird diese jedoch – im Sinne einer Solidarität aller Belasteten – ignoriert.

Wie sehen die Ergebnisse im Einzelnen aus? Die unbezahlte Mehrarbeit erreicht enorme Ausmaße und liegt bei Vollzeitkräften im Durchschnitt etwas mehr als drei Stunden über Soll pro Woche (bei Teilzeitkräften ist das Verhältnis von Soll- und Ist-Stunden noch ungünstiger).

Welche Konsequenzen werden gezogen? Die Auftraggeber der Studie ziehen selber als erste Schlussfolgerung, dass die Unterrichtsverpflichtung zu reduzieren sei, um angemessene Zeiten für die Vor- und Nachbereitung zu ermöglichen. An anderer Stelle in der Presseinformation taucht bei den größten Stressfaktoren der Begriff Korrekturzeiten auf.

Um diesen Aspekt angemessen würdigen zu können, muss man wissen, dass in Niedersachsen auch in sogenannten Nebenfächern (dort „Kurzfächer“ genannt) Klassenarbeiten und Klausuren geschrieben werden. Insofern ist die allgemeine Belastung, die alle Kolleginnen und Kollegen beklagen, durchaus nachvollziehbar.

Aber selbst bei dieser im Vergleich zu NRW gleichmäßigeren Verteilung von Klassenarbeiten und Klausuren und trotz der Tatsache, dass die Zahlen verschiedener Schulformen mit viel weniger Korrekturbelastung als beim Gymnasium ebenfalls in das Ergebnis einflossen, gibt es offensichtlich Spitzenbelastungen – und da darf es kein Tabu sein, die Gründe für die Spitzenbelastungen zu eruieren, also konkret nach Fächern und der Anzahl der zu korrigierenden Klassenarbeiten und Klausuren zu differenzieren.

In NRW sind in der Sekundarstufe I lediglich in Mathematik, Deutsch und den Fremdsprachen bzw. im Wahlpflichtbereich – in geringerer Anzahl, z. B. in den Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften – Klassenarbeiten zu schreiben. Von den in den Grundkursen der Sekundarstufe II in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen (in Kursstärke) zu schreibenden Klausuren ganz zu schweigen. Vor diesem Hintergrund bedeuten die Erkenntnisse der niedersächsischen Studie Folgendes: Wenn schon in Niedersachsen Korrekturzeiten von allen als größte Stressfaktoren empfunden werden, wie erst muss es in NRW der Gruppe der Vielkorrigierer ergehen?

Arbeitszeitgerechtigkeit zu erstreben bedeutet auch, differenziert Belastungen zu betrachten.

Für NRW hieße das: Ehrlich wäre es, nach Fächern und damit verbundenen Korrekturverpflichtungen zu fragen und so die Ursachen für besonders hohe Arbeitszeiten zu ermitteln – stattdessen wird aber gerne die allgemeine Belastung, der alle unterlägen, hervorgehoben. Selbstverständlich ist die Belastung für alle Kolleginnen und Kollegen in NRW gestiegen – das heißt aber nicht, dass man deswegen die immer schon höher gewesene Belastung für Vielkorrigierende ignorieren darf. Absolut bedenklich ist auch die Situation der in Teilzeit geflüchteten Kolleginnen und Kollegen – geflüchtet sind sie vielfach, wie wir aus unserer täglichen Personalrats-Praxis wissen, weil die Korrekturbelastung so enorm hoch ist.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der niedersächsischen Studie ist, dass sie offensichtlich auf eine Belastung dadurch hindeutet, dass sich Lehrkräfte trotz geleisteter Mehrarbeit gezwungen sehen, aus Zeitmangel ihre eigenen Qualitätsansprüche an ihre Arbeit zu reduzieren. Die in Vollzeit tätigen Kolleginnen und Kollegen haben wahrscheinlich ein geringeres Zeitpolster, das sie angreifen können, als die in Teilzeit tätigen. Letztere greifen mehr – in Form unbezahlter Mehrarbeit – auf die eigentlich für Familie oder Erholung gedachte Zeit zurück. Um wie viel bessere Arbeit für Schülerinnen und Schüler, ein wie viel höherer Grad an individueller Förderung bei einem größeren Zeitkontingent erreicht werden könnte, vermag man sich kaum vorzustellen.

Eine Konsequenz – angestrebt von den Auftraggebern der Studie in Niedersachsen – ist die Einrichtung einer (seit November 2016 offenbar auch existenten) Arbeitszeitkommission, die die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer untersuchen und dafür Sorge tragen soll, dass die 40-Wochen-Stunde eingehalten wird.

Bei dem Begriff Arbeitszeitkommission wird der eine oder andere NRW-Lehrer aufhorchen. Eine solche wurde bereits  von der rot-grünen Landesregierung im Koalitionsvertrag von 2010 versprochen und sollte ein „gerechteres Lehrerarbeitszeitmodell entwickeln“. Im Koalitionsvertrag von 2012 findet sich allerdings zum Thema „gerechtere Arbeitszeiten“ nichts mehr.

Man kann nur hoffen, dass in  Niedersachsen eine solche Kommission tatsächlich ihre Arbeit aufnimmt und eine gerechte Arbeitszeitverordnung entwickelt – und ‚gerecht‘ heißt hier, dass alle schulischen Tätigkeiten in realistischer Weise Berücksichtigung finden und es den Kolleginnen und Kollegen wirklich ermöglicht wird, diese Tätigkeiten innerhalb der für Landesbeamte geltenden Wochenarbeitszeit auszuführen. Es wäre zudem darauf zu achten, dass diese Verordnung von dem Dienstherrn auch wirklich umgesetzt wird.

Das Schicksal der in NRW nur noch als Phantom zu bezeichnenden Arbeitszeitkommission möge der in Niedersachsen erspart bleiben.

Nur eine ehrliche Diskussion über Belastungen zeitlicher Art (denn nur nach Zeit werden die Lehrkräfte bezahlt) – die leider immer noch unterbleibt, um den sogenannten Schulfrieden zu erhalten – führt zu mehr Arbeitszeitgerechtigkeit.

 

Januar 2017: Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen beim Neujahrsempfang der FDP

  

Unsere Personalrätinnen Frau Scheffler und Frau de Wit-Yokoi haben wie in den vergangenen Jahren am Neujahrsempfang der FDP im Düsseldorfer Flughafenhotel Maritim teilgenommen. Es folgt ein kurzer Bericht mit Schwerpunkt auf den schulpolitischen Vorstellungen der Partei.Das Motto des Empfanges lautete: GUTES NEUES NRW. Damit war der Tenor vorgegeben im Hinblick auf die Wahlen in NRW im kommenden Mai. Nicht zuletzt an der Schulpolitik der derzeitigen Regierung ließ der Vorsitzende der FDP, Christian Lindner, kein gutes Haar. Diese hinterlasse einen „bildungspolitische(n) Scherbenhaufen“ und habe „Weichen zur leistungslosen Schule“ gestellt. Bemängelt werden stetig sinkende Leistungs- und Qualitätsstandards, Benachteiligung von Schulformen wie Gymnasium und Realschule, der erhebliche Lehrermangel u.a. an Gymnasien, die überstürzte Einführung der Inklusion. Als Beleg wurden Ländervergleiche bzgl. der Schülerleistungen genannt.Statt dessen verspricht eine FDP in Regierungsverantwortung die „weltbeste Bildung für NRW“. Dazu benötige das Land ein „Schulfreiheitsgesetz“, denn die einzelne Schule wisse am besten, was für ihre Schülerschaft „in Sachen Organisation, Finanzen und Pädagogik“ gut sei, auch im Hinblick auf die Frage eines Abiturs nach acht oder neun Jahren. Die FDP-Landtagsfraktion hat daher fünf Forderungen aufgestellt, um das Ziel einer „weltbesten Bildung“ zu erreichen:

  1. Mehr Unterrichtsqualität durch klare Leistungsorientierung.
  2. Beendigung der „Diskriminierung einzelner Schulformen“ (s.o.).
  3. Eine schrittweise Etablierung von mehr personeller, finanzieller, pädagogischer und organisatorischer Schulfreiheit (s.o.).
  4. Eine systematischere, durchdachtere Form der Inklusion mit Sicherung erreichbarer Förderschulstandorte (mit unterschiedlichen   Schwerpunkten), einer Verankerung verbindlicher Qualitätsstandards sowie einer stärkeren Konzentration auf Schwerpunktschulen.
  5. Eine Etablierung von 30 bestmöglich ausgestatteten Gymnasien (mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt) gerade in sozial schwierigen Stadtteilen.

Nach der Rede Lindners begrüßten unsere Personalrätinnen diesen (siehe Fotos). Er bemerkte, dass sein Vater ebenfalls Korrekturfachlehrer gewesen sei.  Ferner betonte er, wir seien bei Anlässen wie dem vorliegenden immer anwesend gewesen, auch in schlechteren Zeiten und nicht nur derzeit, wo es wieder aufwärtsgehe. Wir sicherten einander gegenseitige Unterstützung zu.

Fazit:
Wir wurden eingeladen, waren vor Ort und wurden wahrgenommen.

Quellen:
Die Rede Linders am 15.01.2017 im Flughafenhotel maritim in Düsseldorf
Liberal.nrw, Das FDP-Magazin von Partei und Fraktion in NRW, Ausgabe 4,16, S.10 und 14f.

 

Die Personalratswahl 2016 endet erneut mit einem großen Erfolg für die Vereinigung der Korrekturfachlehrer!

Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann!

Im Vergleich zur letzten Wahl konnte unsere Vereinigung ihr Wahlergebnis in den Bezirkspersonalräten von Düsseldorf und Münster deutlich verbessern: Statt der bisherigen zwei Sitze hat unser Verband dort drei Sitze erringen können. Im Bezirkspersonalrat Köln und Detmold werden wir weiterhin mit je zwei Sitzen vertreten sein. Leider haben wir in Arnsberg einen Sitz verloren. Aber auch im Hauptpersonalrat werden wir wieder mit einem Sitz präsent sein.
Es freut uns ganz besonders, dass die Korrekturfachlehrer in der nächsten Legislaturperiode im Bezirk Münster im Personalrat der Realschule vertreten sein wird. Bereits im ersten Anlauf konnte ein Sitz errungen werden.
Wir bedanken uns herzlich für die Unterstützung im Wahlkampf und für das in uns gesetzte Vertrauen via Stimmabgabe für uns. Wir werden weiterhin in den Personalratsgremien dafür Sorge tragen, dass die Interessen der Vielkorrigierer Beachtung finden.

Nachfolgend die Ergebnisse der einzelnen Personalratswahlen:

 

HPR end

Arnsberg end

Detmold end

Duesseldorf end

Koeln end

Muenster end

 


Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen e.V. jetzt auch für die Schulform REALSCHULE!

 

MuensterRS end
Trotz stark gestiegener Arbeitsverdichtung in allen Bereichen, ist die Realschule die Schulform mit dem nach wie vor höchsten Stundendeputat. Für bessere Arbeitsbedingungen an Realschulen stellen sich sechs Kandidatinnen vom Korrekturfachlehrerverband zur Wahl.
Unterstützen Sie uns durch Ihre Stimme. Nur wenn wir im Personalrat vertreten sind, werden wir auch auf politischer Ebene wahrgenommen und haben die Chance, Arbeitsbedingungen zu verbessern und mehr Arbeitszeitgerechtigkeit einzufordern.
Ihre Stimme  für unser Engagement!

 

Februar 2016: WIR verschwenden keine Mitgliedsbeiträge!

WIR können und wollen uns keine teure «Wahlkampf-Werbung» leisten. Daher drucken WIR nicht Tausende von vierfarbigen Hochglanz-Flyern, die WIR dann in viel zu hoher Anzahl an sämtliche Schulen schicken, um dort womöglich die Papierkörbe zu füllen. WIR nutzen unsere Mitgliedsbeiträge zu einem großen Teil für Musterprozesse!
WIR zählen auf unsere Mitglieder, was das Verbreiten unserer Materialien angeht!
Helfen Sie mit, unsere Poster und Flyer in den Kollegien auszuhängen und zu verteilen!
Vielen Dank für Ihre Kooperation!!!!

 

Februar 2016: Übertragung von Ausfallstunden auf das Folgehalbjahr nicht hinnehmbar!

Durch das vorzeitige Unterrichtsende von Abiturklassen entstehen bei vielen Lehrkräften Ausfallstunden im letzten Viertel des Schuljahres.
Diese werden von manchen Schulleitungen als Minusstunden angerechnet und im laufenden oder folgenden Schuljahr auf das Pflichtstundendeputat aufgeschlagen, ohne dass die mit dem Abitur verbundenen Arbeitsbelastungen ausreichend berücksichtigt würden.
Hat die Lehrkraft auch im Folgeschuljahr Unterricht in Abiturklassen, erhöht sich die Pflichtstundenzahl erneut im dann folgenden Schuljahr, so dass manche Lehrkräfte regelmäßig bis zu 28 Wochenstunden und mehr zu unterrichten haben, und dies aufgrund ihres Einsatzes in Abiturjahrgängen bzw. aufgrund der Tatsache, dass diese Lehrkräfte ihren Unterricht wegen Abwesenheit der zu Unterrichtenden nicht erteilen können.
Eine solche von Schulleitungen angewandte Praxis ist nach unseren Recherchen rechtswidrig; dies wurde in einem Erlass des MSW an alles Bezirksregierugen vom 2.11.2012 bestätigt:
„In den letzten Wochen habe ich davon Kenntnis erlangt, dass an Schulen [...] Arbeitszeitmodelle praktiziert werden, die einen systematischen Ausgleich im Schuljahresverlauf etwa durch verspätete Einschulung, Praktika, Prüfungsphasen etc. ausfallende Unterrichtsstunden dadurch vorsehen, dass diese vorgezogen bzw. nachgeholt werden.
Dies führt in vielen Fällen dazu, dass betroffene Lehrerinnen und Lehrer mit höheren Pflichtstundenzahlen eingeplant werden, als sie eigentlich nach den gesetzlichen Vorgaben erbringen müssten. Dass Schulleitungen [...] versuchen, Modelle zu entwickeln, mit denen die Ausfallzeiten aufgefangen werden können, ist verständlich und legitim. Allerdings sind Lösungen, die sich offenkundig außerhalb des gesetzlich vorgesehenen Rahmens bewegen - wie auch die vorstehend beschriebene - nicht akzeptabel.“
Sollten Sie von solchen „Modellen“ an Ihrer Schule betroffen sein, wenden Sie sich an Ihre Personalratsvertreter!

Juni 2015: Kostenloses und unverbindliches Angebot für Mitglieder:

Als kleiner Verband, der nur von seinen niedrigen Mitgliedsbeiträgen lebt, sind wir nicht in der Lage, unseren Mitgliedern die Angebote der großen Verbände vorzulegen, eine kleine Serviceleistung können wir Ihnen jedoch anbieten:
Auch Lehrer haben nur zwei Augen und müssen dennoch oft Aufsicht über eine ganze Klasse führen. Gerade auf Schulausflügen oder Klassenfahrten ist das Gefahrenpotential erhöht und somit auch das Risiko des Lehrers, denn dieser haftet unter Umständen persönlich für Personen- und Sachschäden, die während seiner Aufsichtspflicht eintreten. Dieses Risiko wird durch eine Diensthaftpflicht getragen, die jeder Kollege in der Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen haben sollte. Der Schlüsselverlust von Dienstschlüsseln sollte hier ebenfalls mit abgesichert sein.
Den Mitgliedern der Vereinigung bieten wir eine Überprüfung dieses wichtigen Versicherungsschutzes kostenfrei und unverbindlich an. Sie können unserem Kooperationspartner »Patrick Niebisch - unabhängige Finanzberatung (http://www.patrickniebisch.de/haftpflichtversicherung-2368.html)« die aktuelle Police und Beitragsrechnung zuschicken (per Mail, Fax oder Post) und Sie erhalten einen unverbindlichen Marktvergleich und eine konkrete Empfehlung kostenfrei per Mail.